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Spielzeugfreier Kindergarten

Im Spielzeugfreien Kindergarten gibt es viele kleine, wundersame, wichtige Aspekte, die seine Bedeutung nach genauerem Hinschauen offensichtlich und klar für alle Eltern und Pädagoginnen aufzeigen kann.

Einer der wesentlichen Aspekte in dieser alternativpädagogischen Idee - ist sicher das Ziel anzustreben den Überfluss zu verhindern und die Fantasie der Kinder anzuregen. Oft ist das Kind durch vorgefertigtes Spielmaterial nicht mehr frei in seine eigene Kreativität einzutauchen und mit eigenen Ideen in den Spielalltag zu treten.
Ein spielzeugfreier Kindergarten möchte auch verhindern, dass Kinder nur auf Spielzeuge fixiert sind und verlernen, sich selbst zu beschäftigen. Spiele wie Fangen, Verstecken kommen zum Beispiel so ganz ohne Spielzeug aus.
Die spielzeugfreie Zeit wird für kreative Spielsituationen genutzt und so zu einem wertvollen Lernraum, in dem die Kinder mit angefertigten Materialien und mit anderen Kindern on ihren individuellen Stärken ausgehend vielfältige Erfahrungen sammeln können. Alltagsmaterialien wie zum Beispiel, Decken, Polster, Schachteln ersetzen das klassische Spielzeug.
Bei der Idee geht es nicht darum den Kindern Spielzeug generell zu verbieten, sondern vielmehr Kinder auf die bedürfnisgerechte Verwendung von Spielzeug hinzuweisen. 
Unsere Konsumgesellschaft ist heute auch bekannterweise immer wieder erwähnt, wenn es um Diskussionen von Sucht und Suchtprävention geht. Heute wissen wir, dass dieses Modell des spielzeugfreien Kindergartens auch Süchten vorbeugt. Das Konzept wurde im Rahmen der Suchtprävention von Schubert und Strick entwickelt (1996)
Die spielzeugfreie Pädagogik wird von vier Elementen begleitet:
  1. Sorgfältig geplant wird über ein Zeitfenster von zirka drei Monaten den Kindern immer mehr Spielmaterialien entzogen und somit ein Spielraum geschaffen. Nun spielt das Miteinander eine immer größere Rolle, da Spielzeug nicht der wesentliche Anker für die Beschäftigung ist.
  2. Während der spielzeugfreien Zeit sind die Pädagoginnen aufgefordert stärker in die Rolle der BeobachterInnen zu gehen.
  3. Eltern müssen in diese Projektplanung aktiv mit eingebunden werden und es braucht die Legitimation dieser.
  4. Die Ergebnisse des temporären Projektes sollen immer dokumentiert werden und mit den Eltern sollen diese Informationen geteilt werden
Schubert und Strick als Initianden der spielzeugfreien Zeit gingen davon aus, dass die freie Zeit:

  • positive Auswirkungen auf das Spielverhalten des Kindes,
  • die Entwicklung und das Lernen der Kinder habe.
Kinder verbessern in der spielzeugfreien Zeit ihre Kompetenzen in folgenden Bereichen:
  • Konzentration, Ausdauer
  • Phantasie, Kreativität
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Natur- und Umweltbewusstsein
  • Selbstvertrauen
  • Frustrationstoleranz
  • Konfliktlösungsverhalten
  • Sozialverhalten
  • Selbständigkeit
Der spielzeugfreie Raum wird zum Erfahrungs- und Selbsterprobungsraum. Das wird die Kinder auch dahingehend stärken, dass sie der heutigen Konsumwelt besser widerstehen können. Weiters werden sie langfristig in die Lage versetzt, dass sie ohne großartige Impulse von Eltern oder Pädagoginnen selbst sich mit einem Material beschäftigen können und neue Ideen und kreative Spiele entwickeln können.

Mehr auf www.lelek-edu.net
Verantwortlich für den Text der Verein Lelek: www.lelek.at 

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